Das größte Konfliktpotenzial in einer
Kunden-Agentur-Beziehung liegt in der angemessenen Honorierung
der kreativen Leistung der Agentur.
Doch was ist der angemessene Preis für eine starke Werbeidee?
Wie soll die Konzeption, das Artwork für eine Anzeige, für
einen TV-Spot oder eine ganze Kampagne bewertet werden?
Viele, gerade mittelständische Werbungstreibende, tun sich
oft schwer mit dem Honorarsystem der Agenturen. Sei es, weil sie
mit dem professionellen Werbebusiness nicht so vertraut sind oder
sei es, dass sie die Bewertung nach dem Prinzip höchst mögliche
Leistung zu geringst möglichen Kosten der Einkaufsabteilung
überlassen. Nach den Usancen, wie man eben auch Schrauben
einkauft.
Dabei ist die Zielsetzung einer Werbekampagne schon
aufgrund des hohen Investments ebenso hoch anzusiedeln wie die
meistens komplexe Lösung. Die Zielrichtung einer werblichen
Maßnahme liegt klar auf der Hand: sie soll zum Absatzerfolg
beitragen. Auch für die Agenturen ist Werbung kein Selbstzweck
oder künstlerische Spielwiese. "Werbung muss verkaufen"
lautet die Grundthese, die sich die Mehrzahl der Agenturen längst
zu Eigen gemacht haben. Und dieser Nachweis der Werbewirkung als
Voraussetzung für den Markterfolg wird per Marktforschung
immer häufiger eingefordert.
Die Marke ist das Kapital eines Unternehmens. Ergo kann eine deutliche
Steigerung der Markenbekanntheit oder die Stärkung der Markenwerte,
ausgelöst durch eine wirkungsstarke, hochkreative Kampagne,
nicht mit Kleingeld abgegolten werden. Und kreative Markenführung,
die Kernkompetenz vieler Agenturen, ist ein nicht zu unterschätzender
Faktor des Wertschöpfungsprozesses.
Wer von seiner Werbeinvestition einen Return on
Investment erwartet, kann in der Regel auch den Aufwand der Agentur
einschätzen, der ja nicht nur aus der Ideenentwicklung und
den "Schönen Bildchen" besteht. Eine erfolgreiche
Werbung hat eine Vorgeschichte, die in marketingbegleitenden Maßnahmen
wie Beratung, Strategiefindung, konzeptioneller Arbeit sowie in
zahlreichen Umsetzungsalternativen begründet ist. Da kommen,
je nach Umfang, schnell ein paar Hundert Stunden für das
ganze Team zusammen. Vor allem dann, wenn der Beweis zu erbringen
ist, dass sich Kernidee und Key Visual uneingeschränkt auf
alle Werbemaßnahmen übertragen lässt.
Den Beitrag, den eine Kreatividee wie die Lila Kuh
oder das grüne Segelboot für Beck's Bier über Jahrzehnte
zur Wertschöpfung der Marke leistet, geht in die Millionen.
Die Schöpfer der Ideen werden mit einem Bruchteil des erzielten
Wertes bezahlt. Auch nach drei Jahrzehnten Agenturpraxis bleibt
mir das Missverhältnis zwischen Medieneinsatz und Kampagnenentwicklung
unverständlich. Da nimmt ein Unternehmen Millionen in die
Hand für den Launch eines Neuproduktes und akzeptiert ohne
Zögern die hohen Schaltkosten für die Anzeigen oder
Spots. Wenn es aber um den Inhalt, also die qualitative Seite
der Kampagne geht, entbrennt die Feilscherei um ein paar Tausend
Euro. Dabei entscheidet die Qualität einer Kampagne über
Aufmerksamkeitswert, Anmutungsqualität und Involvement.
Der Anteil, den Werbeagenturen zum Wert einer Marke
beisteuern, ist in aller Regel weit unterbezahlt.
Ein Standardsatz, den ich in diesem Zusammenhang immer wieder
höre, lautet recht schlicht: Das regelt der Markt. Richtig,
nur: der Markt wird definiert durch die Akteure, die in ihm handeln.
Und wenn auf beiden Seiten, der Angebots- wie auch der Nachfrageseite,
nur noch Akteure zu finden sind, die sich in einer wechselseitigen
Dumping-Spirale nach unten bewegen, dann Gute Nacht. Dann erleidet
der Markt der kreativen Markenführung auf Dauer einen Qualitäts-Verlust,
den das Publikum abstrafen wird. Mit Missachtung und Abwendung.
Kreativität hat ihren Preis. Oder treffender
formuliert: Wer nur Peanuts zahlen will muss sich nicht wundern,
wenn er auch nur Peanuts erhält.
Gerhard Mutter
Inhaber DIE CREW AG Werbeagentur
Vizepräsident GWA Gesamtverband Kommunikationsagenturen