Who gets the beef? Oder: Warum die kleinen Agenturen
den großen immer mehr Stücke vom Filet wegnehmen.
„Die beste Idee stammt oft aus der Feder einer
kleineren Agentur.“ Immer öfter hört man von den
Marketingchefs ähnlich klingende Worte.
Zufall? Kein Zufall! Längst ist es nicht nur
in den USA üblich, dass selbst große Marken ihre Budgets
auch den kleinen Agenturen anvertrauen. Adidas, Apple, Volkswagen
oder sogar Coca-Cola greifen mehr denn je auf die Kreativleistung
der vermeintlichen Zwerge zurück.
Ist ja auch kein Wunder. Für die kleinen Schnellboote
kristallisiert sich nämlich Kreativleistung immer häufiger
als das Winner- Kriterium in den Pitches heraus. Natürlich
sind die Facetten einer internationalen Agentur vielfältiger
und international gesehen in der Regel auch in Sachen Beratungskompetenz
unschlagbar. Aber sie sind häufig viel zu sehr damit beschäftigt,
ihren eigenen Apparat zu managen, oft bleibt da die ursprüngliche
Leistung der Agenturen zum Leidwesen der Marketer auf der Strecke.
Wo ist die Idee? Where’s the beef?
Gerade heute benötigt man mehr denn je diesen
sehr begehrten Rohstoff, um in einem reizüberfluteten Markt
überhaupt noch als Marke aufzufallen und von den Kunden bemerkt
zu werden: die brillante Idee! Die Idee ist alles, was zählt.
Dabei spielt die Größe des Ideen-Dienstleisters nur
eine sekundäre Rolle. Kreative Leistung ist das entscheidende
Kriterium. Und damit sind kleine Hotshops wieder en Vogue. Viele
Marken-Verantwortliche schätzen das klare Potenzial der kleinen,
unabhängigen Kreativ-Agenturen. Sogar, wenn es darum geht,
Marken international ein Gesicht zu geben sind diese immer öfter
im Rennen um den Lead. Für die Umsetzung, die Media und den
internationalen Launch von PR bis zum Point of Sale zeichnen sich
dann berechtigterweise die Big Player aus.
Weil sich die Kommunikationskanäle mit einer
Geschwindigkeit vermehren, denen die Dickschiffe der Branche kaum
folgen können, profitieren die „Minis“ sogar
in der Flaute. Weil sie auf Top-Kreative frei zurückgreifen
können, die sie ins Boot holen. Und weil ihre Chance in der
kürzeren Reaktionszeit liegt. Die Zukunft gehört also
jetzt schon den Kleinen und Schnellen im Lande.
Wie aber muss so eine Agentur der Zukunft –
ob groß oder klein – ganz grundsätzlich aufgestellt
sein um die komplexeren Aufgaben mit immer fragmentierteren Zielgruppen
zu bewältigen?
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Kunden:
Dort stellen sich nämlich seit geraumer Zeit die Marketing-Abteilungen
um. Kostendruck und Budget-Verlagerung haben im vergangenen Jahr
dazu geführt, dass die Abteilungs-Denke einer integrierten
Denke mit neuer Ordnung gewichen ist. Die Verantwortlichen für
klassische Werbung haben jetzt wieder häufiger auch den „Hut“
auf für die Online-Abteilung oder die Dialogmarketer. Das
macht ja grundsätzlich auch Sinn. So praktiziert es bereits
die Automobilindustrie, aber auch die Verlage stellen sich jetzt
entsprechend auf. Gemeinsam statt getrennt nach Kunden fischen
lautet die Devise.
Die Anforderungen für die Agenturen werden
dadurch natürlich sehr viel komplexer. Marken-Know-how und
Dialog-Know-how muss gleichzeitig abgebildet werden und darüber
hinaus idealerweise auch noch – das wird immer wichtiger
– vor allem Online-Kompetenz bewiesen werden.
Was die Kleinen anders machen können? Sie sind
für Projekte besonders geeignet und schielen nicht nur nach
den fetten Etats, die es gar nicht mehr so häufig gibt. Der
Inhaber berät persönlich und kann auch zur Verantwortung
gezogen werden und der Fokus liegt in aller Regel auch bei der
Kernkompetenz einer Agentur: Ideen gegen Honorar.
Die ideale Größe einer Kreativagentur
ist schnell definiert: so groß wie eine Fußballmannschaft.
Und wenn sie in der Championsleague mitspielen will? Dann braucht
es eben ein paar starke Ergänzungsspieler mehr. Klingt doch
ganz logisch, nicht wahr?
Schauen Sie sich jetzt mal die Finger an Ihren Händen
an und beginnen Sie zu zählen. Wie viele Agenturen in Deutschland
kennen Sie, die das drauf haben? Sehen Sie.
Hansjörg Zimmermann
GF und Kreative Direktor
Das Goldene Vlies