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„Das Einzige, was ich an Bayern mag: Es ist schön.“ Ein scheinbar paradoxes Zitat, das dem sooft bemühten Kindermund zugeschrieben wird. Der ja bekanntlich Wahrheit kundtut.

Von erwachsener Seite bestätigt wurde dieses im Grunde äußerstpositive Urteil im Sommer 2007ganz speziell in Bezug auf die bayerische Landeshauptstadt: So vermeldete die angesehene„International Herald Tribune“, München sei – buchstäblich übersetzt – „die lebenswerteste Stadt des Monokels“. Gemeint ist hier freilich das in Londonansässige Magazin „Monocle“, ein Auge auf die Isarmetropole geworfen hat.

Weit vor der eigenen Insel-Kapitale und Weltstädten wie Sydney, Paris oder New York platzierte die kultur- und designorientierte Jury die urbane Ikone Bayerns ganz oben auf der Weltrangliste. Selbst das vermeintliche Südseeparadies Honolulu blieb im Vergleich chancenlos. Und das nicht nur wegen seiner deutlich schlechteren Schienenanbindung ans Festland.

Vor allem durch die unübersetzbare deutsche „Gemütlichkeit“, seine Toleranz sowie die hohe Mediendichte konnte München überzeugen. Von den soliden Haustüren, die laut Studie ihren Teil zur niedrigen Kriminalitätsrate beitragen, dem mustergültigen Flughafen und der vorbildlichen Infrastruktur im Allgemeinen ganz zu schweigen. Diese einmalige Kombination möge andernorts Inspiration sein, wünscht sich die „Monocle“-Redaktion.

Ob sich Städte tatsächlich von München inspirieren lassen, bleibt abzuwarten. Tatsache ist, dass das Isar-Athen bereits eine beflügelnde Quelle für die Menschen in ganz Bayern ist. Das Millionendorf mit seiner Schicki-micki-Szene, seiner Kultur, seiner Geschichte und all seinen Widersprüchen ist anregend und kann aufregend in doppelter Wortbedeutung sein. So wirkt die heimliche Hauptstadt Deutschlands mit ihrem Potenzial und ihren Ideen wie ein Katalysator, der im ganzen Freistaat Kreativität anlockt und auslöst. Etwas, das München einzigartig macht.– Wie viele andere Städte es auf ihre Art auch sind. Allerdings scheint dieser Ort noch eine ganz besondere Eigenschaft zu haben: Er macht etwas mit den Menschen. Er gibt ihnen etwas. Etwas, das kreativem Schaffen nützt, es weiterbringt, sogar oft erst möglich macht: Inspiration. Die, wir erinnern uns, bereits der „Monocle“-Jury so wichtig war. Also ein Prosit der Gemütlichkeit? Mitnichten! Schließlich belässt man es im Bilderbuch-Bundesland nicht beim Philosophieren und bei klugen Gedanken. Im Gegenteil: Hier kann tatsächlich Großes und Wegweisendes entstehen.

Mit ihren vielseitigen Talenten stellen das die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die hier arbeiten und leben, durch ihr Werk immer wieder von neuem unter Beweis. Für sie alle ist Bayern im Allgemeinen und München im Besonderen eine Muse. Von jener kreativen Animierdame sollte sich auch die Werbebranche des Freistaats viel öfter küssen lassen – und zwar leidenschaftlich. Statt in Schönheit zu sterben, gilt es, sie zu nutzen. Aber eben nicht als beruhigendes Barbiturat, sondern als symbolträchtiges Signal. Als Aufruf, das Fertige, das scheinbar Vollendete, das Makellose nicht einfach als selbstverständlich hinzunehmen. Genau wie es andernorts geschieht, wo man auch aus dem Unvollkommenen und sogar aus dem Chaos schöpft. Dort, wo man nicht unbedingt mehr Energie, aber schlicht mehr Courage hat, sie umzusetzen.

Gerade, weil sein bodenständiger, vermeintlich unveränderbarer Charakter für einen schöpferischen Geist eine ständige Herausforderung darstellt. Ganz nach der Devise:„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Wodurch wir mit Erich Kästner wieder fast beim Kindermund angekommen wären. Und gleichzeitig bei meinem Wunsch für einen Standort, der für Top-Kreative ein Standpunkt sein sollte.

Jürgen Knauss
Heye Group

 
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